Startseite | Impressum / Kontakt | Kosten | Haftungsauschluss | Termine | Links

Heilung kann ein sehr individueller Prozess sein

Vortrag Heilerkongress 2005 in Hildesheim


Vortrag auf dem Kongress "Heilung und Neugeburt" 2005 in Hildesheim:

Zum Beginn meines Vortrages will ich kurz schildern, welche Arbeit ich täglich mache. Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben:

Ich bin ein Praktiker im deutschen Gesundheitswesen. Ich glaube einige von Ihnen wissen, was das heute bedeutet.

Als Neurologe arbeitete ich viele Jahre in Hannover in einer großen Gemeinschaftspraxis in Linden, einem Stadtteil von Hannover. Linden in Hannover ist das, was Kreuzberg in Berlin ist.
Zu mir kommen Menschen mit den unterschiedlichsten Problemen und Krankheiten. Dazu kommen noch die Folgen des sozialen Umbruchs in Deutschland wie Arbeitslosigkeit, Mobbing und deren psychosomatische Folgeerkankungen.

Es sind oft genug handfeste Probleme mit Bedrohung der sozialen und oft auch der physischen Existenz.

Da ist bei dem normalen deutschen Bürger kaum Raum für spirituelle Fragen!

Heilung ist gewünscht, und zwar möglichst sofort. Für den Durchschnittspatienten kommt Krankheit entweder von Bakterien oder Viren. Wenn Schmerzen da sind, dann ist dort etwas kaputt!

"Herr Doktor, da muss doch etwas zu finden sein"

Der Patient hat jahrelang in seine Krankenkasse eingezahlt. Jetzt legt er sein Leiden bildlich gesprochen auf dem Schreibtisch des Arztes ab!

Dieser Arzt hat die Ursache zu finden und abzustellen! Dafür hat der Patient die Krankenkasse bezahlt. Er erwartet Tabletten zur Heilung. Auch Kuren sind willkommen.

Eigeninitiative endet oft spätestens bei der Frage der Ernährung oder beim Gebrauch von Suchtmitteln.

Das ist der täglicher Alltag in einer Arztpraxis.



Was ist Heilung und wie kann sie erreicht werden?

Was aber ist Heilung und wie kann sie erreicht werden ?

Vor diesem Hintergrund entschloß ich mich, die folgende Geschichte zu erzählen. Diese Geschichte handelt von Heilung und Neuanfang:

Vor einigen Jahren war ich zu einem Seminar über Akupunktur bei einem international sehr bekannten chinesichen Lehrer, Heiler und Feng-Shui-Meister in Linz im schönen Österreich.

Seinen Namen nenne ich ganz bewusst nicht.

Bei den Teilnehmern handelte es sich um fortgeschrittene Feng-Shui-Experten und Heiler. Sie alle hatten sich schon länger einer sogenannten spirituellen Schulung unterzogen.

Es war der zweite Tag zur Mittagspause und ich hatte einen Riesenhunger. Beim Verlassen des Saales wurde ich von einem Ehepaar angehalten und die Ehefrau fragte mich wörtlich:

"Kannst Du uns sagen, welche Ausbildung man noch machen kann, wo man noch hingehen kann, wenn man schon so weit in spiritueller Hinsicht ist wie wir?“

Wie schon gesagt, ich war sehr hungrig. Also bot ich ein Gespräch bei einem gemeinsamen Essen an. Die Dame wollte aber nicht essen sondern sich spirituell entwickeln.

So kam das Gespräch nicht zustande. Ich erfuhr aber, daß sie auch aus Hannover seien.
Ein längeres, tiefer gehendes Gespräch über ihre weiteren Fortbildungen fand also nicht statt.

Ich war längst schon wieder im Alltagsgeschehen der Praxis versunken, als sich die oben genannte Dame, diesmal als Notfall-Patienten, bei mir meldete:

Sie brauche einen sofortigen Termin, denn sie sei auf dem Seminar lebensgefährlich an einer Gehirnblutung erkrankt. Sie habe immer noch starke Kopfschmerzen

Sie erschien dann völlig aufgelöst vor Angst und kaum noch Herr ihrer Sinne in meiner Praxis. Der Ehemann begleitete sie. Er war ebenfalls erheblich besorgt.
Die Patientin war völlig verängstigt. Sie war nur mit Mühe kommunikationsfähig.

Das Aufnahmegespräch ergab dann die folgende Geschichte:

Während des Seminars waren bei ihr sehr starke Kopfschmerzen aufgetreten. Diese Kopfschmerzen hatte sie auch schon früher, aber jetzt waren sie besonders stark ausgeprägt gewesen.

Der Seminarleiter war ja ein international anerkannter Heiler. Die Patientin bat ihn um seinen Rat.

Der Seminarleiter war gerne zur sofortigen Hilfe vor den Teilnehmern des Seminars bereit. Er demonstrierte eine Heilsitzung und sein Verfahren, indem er seine Hände auf den Kopf der Patienten legte und sich in Trance begab.

Während dieser Behandlung teilte er der Patienten und dem versammelten Seminar mit, daß sie eine Hirnblutung habe. Diese sei lebensgefährlich. Nur dadurch, daß er sofort zu Stelle gewesen sei und diese sofort habe behandeln können, werde sie diese Krankheit überhaupt überleben.

Die Kopfschmerzen waren anfänglich gelindert und die Patientin war sehr froh, diesen großen Heiler an ihrer Seite gehabt zu haben.

Leider war die Angelegenheit damit aber nicht erledigt. Als sie wieder in Hannover war, traten die Kopfschmerzen verstärkt wieder auf.

Und damit natürlich auch die Angst vor dieser so bedrohlichen Blutung im Kopf.

Ich habe diese Patienten daraufhin sehr gründlich untersucht einschließlich EEG, Ultraschall der Hals- und Kopfgefäße und einer Magnet-Resonanz-Tomographie des Gehirns. Sämtliche Befunde waren völlig normal.

Eine Blutung im Gehirn hinterlässt im Magnet-Resonanz-Tomogramm (MRT) sichtbare und eindeutige Spuren: Blut enthält Eisen; und dieses ist auch nach einer ausgeheilten Blutung noch eine Zeit sichtbar

Damit ergab sich Widerspruch:

Die Patientin war körperlich vollkommen gesund. Sie fühlte sich aber todkrank!

Die erweiterte Vorgeschichte ergab dann, daß sie als leitende Managerin in einer großen Firma eine riesige Verantwortung zu tragen hatte. Sie arbeitete jeden Tag mindestens zwölf Stunden und sie schlief seit Monaten keine Nacht mehr richtig durch.

Die Wochenenden verbrachte sie zusammen mit ihrem Ehemann meist auf spirituellen Seminaren.

Was war nun geschehen?

Der international bekannte chinesische Meister und Heiler hatte eine riesengroße Autorität für diese Patientin:
Von Ihm hatte sie sehr viel gelernt! Sein Wort war für sie ein unumstößliches Gesetz!

Und dieses Wort hatte sie krank gemacht:

Seine Diagnose einer Hirnblutung gab der schon im Vorfeld völlig vegetativ entgleisten und überarbeiteten Patientin den Rest und führte sie an den Rand der Verzweiflung.

Und hier sehen sie die Bedeutung des Glaubens für unsere Gesundheit. Wenn wir glauben daß wir krank sind, dann fühlen wir uns auch bald krank.

Wenn zu uns jemand sagt: "Wie siehst Du denn aus, bist du krank?“; dann ist es nur eine Frage der Zeit und wir finden auch, daß irgendetwas nicht stimmen kann.

Ich möchte hier nur an die Methode des VOODOO erinnern.

Die Behandlung durch mich bestand vor allem in vielen Gesprächen, einer längeren Krankschreibung sowie der Gabe eines Antidepressivums in einmaliger Abenddosis, damit die Patienten wieder normal schlafen lerne. Ebenfalls erfolgte eine Akupunkturbehandlung zur vegetativen Stabilisierung.

Der Kopfschmerz war das geringste Problem und nach wenigen Tagen nicht mehr vorhanden.

Aber es war unwahrscheinlich mühselig, der Patientin klar zu machen, daß ihr großer chinesischer Meister mit seiner Diagnose unrecht hatte.

Gegen dessen Autorität kam ich als kleiner Arzt anfänglich nicht an.

Genauso mühselig war es, dieser so leistungsorientierten Patientin klar zu machen:
"Sie machen sich selber krank".

Sowohl ihre Arbeit als auch ihre ständigen spirituellen Seminare hatten zu einer völligen Entfremdung von sich selbst und ihrer körperlichen Basis und damit zu einer tiefen Erschöpfung und dem Zusammenbruch geführt.

Der Kopfschmerz war letztlich nichts weiter als ein Hilfeschrei Ihres Körpers und auch Ihrer Seele.

Der Erfolg dieser gesamten Behandlung war dann aber sehr verblüffend:

Die Patientin gab ihre extrem gut bezahlte und angesehene Arbeit auf.

Mit der ihr eigenen Energie verschaffte sie sich eine gute Abfindung ihres Arbeitgebers. Von diesem Geld kaufte sie sich dann ein Hotel an der Ostsee. Dieses wollte sie dann zusammen mit ihrem Ehemann betreiben.

Nachdem sie diese Entscheidung gefällt hatte, war sie nicht mehr wieder zu erkennen. Sie blühte auf, war voller Energie und Tatendrang und schwärmte von ihrem zukünftigen Leben. Kopfschmerzen hatte sie nicht mehr. Sie schlief prächtig und brauchte auch keinerlei medikamentöse Hilfe mehr.

So verzog sie an die Küste. Ich habe nie wieder etwas von ihr gehört. Ich denke, dies ist ein gutes Zeichen.

Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte?

Zum einen zeigt sie wie Heilung nicht durchgeführt werden sollte. In unserer heutigen Gesellschaft ist Krankheit ein Stigma: Das Leistungsvermögen ist reduziert!

Der Kranke kann sich in unserer heutigen Leistungsgesellschaft nicht behaupten. Deshalb müssen die Krankheit beziehungsweise das Symptom weg! So schnell wie möglich!

Aber die alleinige Symptom-Beseitigung ist keine Heilung!

Zum anderen zeigt meine Geschichte: Der Therapeut beziehungsweise Arzt darf sich nicht zum Gott erheben. Der Patient darf nicht autoritär abhängig gemacht werden.

Vor allem aber zeigt sie: Es gibt nichts Schlimmeres als eine negative Suggestion durch einen Arzt oder Therapeuten. Ein Wort kann Berge versetzen! Sie alle kennen diesen Satz.

Heilung kommt immer von innen, immer aus der inneren Überzeugung und immer aus dem eigenen Glauben.

Sei es der Glaube an ein Medikament, an den Arzt oder einen anderen Helfer, an sich selbst oder an Gott.

Nur wenn wir uns selbst von unserer Heilung innerlich überzeugen können, kann Heilung auch wirklich geschehen.

Es gibt genug wissenschaftliche Untersuchungen über die positive Rolle des Glaubens bei der Genesung. Diese Untersuchungen werden sogar von harten Schulmedizinern akzeptiert.

Fehlt dieser Glaube, dann besteht eine von Roger Callahan so benannte innere Überzeugung, die psychologische Umkehr. Die innere unbewusste Überzeugung steht einer Heilung im Wege. Dies betrifft schwer chronisch Kranke. Die Heilhindernisse gilt es zu erkennen und zu behandeln.

Meine Geschichte zeigt aber noch etwas anderes:

Nämlich die manchmal fatale Rolle der oft selbsternannten geistigen Führer, Heiler und angeblicher spiritueller Lehrmeister.

Unter Ausnutzung des Wunsches der Menschen nach innere bzw. spiritueller Entwicklung und Erkenntnis wird nur zu gerne den Versprechungen derartiger Lehrer gefolgt.

Dabei wird übersehen, daß Gott nicht irgendwo im Universum fern und unerreichbar umherschwebt und dass Gott vor allen keines Mittlers bedarf.

Die geschilderte Geschichte ist ein Beispiel und sie zeigt eine Heilung durch das Finden des eigenen Ich´s.

Die Patientin konnte sich von ihrem fremdbestimmten hektischen Leben distanzieren und einen eigenen persönlichen Lebensweg finden.

Diesen Weg fand sie nicht mit Hilfe eines Gurus, sondern vielmehr einfach durch die anfänglich äußere und später auch innere Ruhe.

Durch die medikamentöse Behandlung und durch die Akupunktur fand sie wieder zu ihren Energie-Ressourcen.

Das Selbstvertrauen wurde gestärkt und die Selbstakzeptanz wurde so ermöglicht.

So konnte sie den Kontakt zu den tieferen inneren verschütteten Anteilen ihres eigenen Selbst wiederfinden.

Damit fand sie letztlich auch den Weg zum Göttlichen wieder. Sie kam damit in die göttliche Einheit, zur eigenen Mitte und damit zum "Heil".

Und dies ist nach meiner Meinung der wesentliche Teil ihrer Heilung.

Sie bedurfte dazu weder der heilenden Hände eines Heilers noch der asketischen Strenge eines Gurus.

Sie hat sich letztlich selbst geheilt!

Ich habe sie dabei begleiten dürfen. Ich habe viele Jahre meines Lebens mit dem Studium verschiedener Heilweisen verbracht. Ich war dazu auch bei Heilern.
Mir ist in meinem bisherigen ärztlichen Leben eines klar geworden; und ich möchte es noch einmal ausdrücklich betonen:

Heilung kommt immer von innen, immer aus der inneren Überzeugung und immer aus dem inneren Glauben.

Und hier begegnen sich die Religion und die Medizin:
Die göttliche Kraft oder Gott oder wie immer wir dieses Phänomen auch benennen wollen, es ist in uns und wir können es auch nur in uns finden. Dies führt zu innerem Frieden und dies habe ich als das eigentliche Wesen aller Heilung erfahren.


Ich habe immer wieder erleben dürfen, dass eine schwere Krankheit nach einiger Zeit letztendlich zu einer tiefen Akzeptanz des Lebens und der Krankheit und zu einem tiefen inneren Frieden führt. Der Tod wird dann oft einfach akzeptiert. Ich habe auch schon Dankbarkeit gegenüber einer schweren Krankheit bei Patienten erlebt.

Es kommt nicht immer zur Heilung im Sinne einer Beendigung der Krankheit. Die Heilung besteht letztendlich in diesem tiefen inneren Frieden und auch in der Akzeptanz, welche oft am Ende des Lebens auftritt.

Und aus diesem Weg nach innen, zur eigenen Quelle, ergibt sich dann auch die so oft beschworene und angestrebte sogenannte Erleuchtung, als höchstes Ziel des Strebens, ganz von selbst.